ISA/IEC 62443:2015 - Security for Industrial Automation and Control Systems
Die Normenreihe IEC 62443 bietet einen umfassenden Rahmen für die Sicherheit industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme (IACS). Diese Normen zielen darauf ab, die Sicherheit, Integrität und Zuverlässigkeit industrieller Steuerungssysteme zu gewährleisten, die für verschiedene Branchen wie Fertigung, Energie und Transport von entscheidender Bedeutung sind.
Überblick
Segment: Cybersecurity für industrielle Steuerungs- und Überwachungssysteme (OT-Umfeld)
Verabschiedet / Veröffentlicht: Als IEC Standard.
Ziel:
Der Standard foksiert den Aufbau eines risikobasierten Cybersicherheitsregimes mit dem Fokus auf Software industrieller Anlagen und Steuerungssysteme.
Hier eine kurze Zusammenfassung der Anforderungen aus der Norm:
Risikobewertung und -management:
Durchfü gründlicher Risikobewertungen, um potenzielle Sicherheitsbedrohungen und Schwachstellen in industriellen Steuerungssystemen zu identifizieren.
Implementieren von Risikomanagementprozessen, um identifizierte Risiken zu mindern und die Sicherheit kontinuierlich zu gewährleisten.
Sicherheitsrichtlinien und Organisation der Informationssicherheit:
Sicherheitsrichtlinien (Policies) festlegen, die den Ansatz des Unternehmens zur Sicherheit industrieller Steuerungssysteme beschreiben.
Rollen und Verantwortlichkeiten für das Sicherheitsmanagement innerhalb des Unternehmens festlegen.
Systemsicherheitstechnik:
Sicherheit in den Systemengineering-Prozess integrieren und sicherstellen, dass Sicherheit von der Entwurfsphase bis hin zum Betrieb und zur Wartung berücksichtigt wird.
Verwenden sicherer Designprinzipien und Best Practices, um industrielle Steuerungssysteme zu schützen.
Patch- und Schwachstellenmanagement:
Implementieren eines Patch-Management-Programms, um sicherzustellen, dass alle Komponenten des industriellen Steuerungssystems mit den neuesten Sicherheitspatches auf dem aktuellen Stand gehalten werden können.
Regelmäßiges Screeening nach Schwachstellen und umgehendes Beheben dieser.
Zugriffskontrolle:
Implementierenrobuster Zugriffskontrollmaßnahmen, um sicherzustellen, dass nur autorisiertes Personal auf industrielle Steuerungssysteme zugreifen und diese ändern kann.
Verwenden von Multi-Faktor-Authentifizierung und rollenbasierte Zugriffskontrolle, um die Sicherheit zu erhöhen.
Reaktion auf Vorfälle:
Entwickeln und pflegen von Aktions- bzw. Reaktionsplänen auf Vorfälle, um Sicherheitsvorfälle zu erkennen, darauf zu reagieren und sie zu beheben.
Regelmäßig Übungen zur Reaktion auf Vorfälle durchführen, um die Bereitschaft sicherzustellen.
Netzwerksicherheit:
Implementieren von Netzwerksicherheitsmaßnahmen wie Firewalls, Intrusion Detection Systeme und sichere Netzwerksegmentierung, um industrielle Steuerungssysteme vor externen Bedrohungen zu schützen.
Verwenden sicherer Kommunikationsprotokolle, um die Integrität und Vertraulichkeit der innerhalb des Systems übertragenen Daten zu gewährleisten.
Sicherheitsüberwachung und Erkennung von Vorfällen:
Implementieren einer kontinuierlichen Sicherheitsüberwachung, um potenzielle Sicherheitsvorfälle in Echtzeit zu erkennen und darauf zu reagieren.
Verwenden von SIEM-Systeme (Security Information and Event Management), um Sicherheitsdaten zu aggregieren und zu analysieren.
Sicherheit in der Lieferkette:
Sicherstellen , dass Drittanbieter und Lieferanten die gleichen Sicherheitsstandards und -praktiken einhalten.
Durchführen von Due-Diligence-Prüfungen bei Lieferanten und regelmäßige Bewertung deren Sicherheitspraktiken.
Sicherheitsbewusstsein und Schulungen:
Regelmäßig Mitarbeiterschulungen zum Thema Sicherheitsbewusstsein, um sicherzustellen, dass sie die Bedeutung der Sicherheit industrieller Steuerungssysteme und ihre Rolle bei deren Aufrechterhaltung verstehanden ist.
Regelmäßiges Durchführen von Sicherheitsaudits und -bewertungen, um potenzielle Sicherheitslücken zu identifizieren und zu beheben.
Lösungsansätze & Hilfestellungen
Die folgende Tool-Übersicht orientiert sich an einem typischen Umsetzungspfad: erst verstehen was man hat (Asset-Inventar), dann bewerten (Gap-Analyse, Risiko), dann absichern und überwachen.
Geführtes Self-Assessment von CISA/INL: stellt strukturierte Fragen, mappt Antworten auf IEC 62443, NIST SP 800-82 und NERC CIP, erzeugt Gap-Report mit Handlungsempfehlungen
Grafische Bedrohungsmodellierung (STRIDE, DFD-Editor); OT-Systemarchitekturen lassen sich direkt modellieren; exportiert Threat-Model-Dateien für die Dokumentation
62443-4-1 SR-2: Bedrohungsmodellierung als Teil des Secure Design
Vollständige OT-Netzwerkanalyse-Suite von CISA/INL: Zeek + Suricata + OpenSearch in einem System; native Unterstützung für Modbus, DNP3, EtherNet/IP, S7comm u.v.m. via ICSNPP-Parser
62443-3-3 SR 6.1/6.2: Kontinuierliches Monitoring und Anomalieerkennung; 62443-2-1: Netzwerküberwachung im SMS
XDR/SIEM mit Endpoint-Agenten, File-Integrity-Monitoring und Konfigurationsbewertung; für Windows/Linux-Hosts im OT-Netz; IEC 62443 als Compliance-Framework integriert
62443-2-1: Log-Management, Audit; 62443-3-3 SR 2.8/6.1: Session-Logs, FIM
SCA-Scanner: analysiert Abhängigkeiten aus Build-Systemen und Paketmanagern, erzeugt CycloneDX/SPDX-SBOMs — auch für Firmware-Builds und eingebettete Systeme
62443-4-1 SR-16: Software-Lieferkette; 62443-2-3: SBOM als Grundlage für das Patch-Management
Syft erzeugt SBOMs aus Firmware-Images und Containern; Grype gleicht die Komponenten gegen Schwachstellendatenbanken ab — auch offline nutzbar, relevant für abgeschottete OT-Umgebungen
62443-4-1 SR-16: Software-Lieferkette; 62443-2-3: Schwachstellen- und Patch-Management
Im Bereich Zonen- und Conduit-Modellierung (62443-3-2) gibt es kein dediziertes Open-Source-Tool. draw.io (Apache-2.0) eignet sich als freies Diagrammwerkzeug für die Architektur-Dokumentation, bringt aber keine IEC 62443-spezifischen Vorlagen mit.